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Oh, nein.  Sooo pink…!

Am 1. Februar habe ich angefangen, für meine nächsten Solo-Ausstellung im April zu arbeiten. Ich habe vor, acht neue Werke von spiegel-verkehrt “wall painting series” zu präsentieren, außer meiner Papierarbeit. Hier nehme ich meinen Kreations Prozess auf, weil die Werke sich im Lauf der Zeit verändern.

Erster Schritt von “wall painting series”: Transportierung der auf Papier geschriebene spiegel-verkehrt Kalligraphie auf den Leinwand. Danach male ich erst mit der schwarzen Tusche um den Schriften.

Übrigens, das oben geschriebene Schriftzeichen ist “Gehirn” auf Japanisch. (Text: miu)

Eines Tages habe ich in dichtem Nebel einen Spaziergang entlang der Donau gemacht. Den Himmel konnte man gar nicht sehen. Die andere Seite des Flusses war undeutlich zu sehen und nur Geräusche von Autos aus der Ferne waren zu hören. Während des Spaziergangs waren meine Gedanke ganz woanders. Ich dachte an den Himmel, das Wetter, Schwingung und Resonanz.

 

über den Himmel
Der Himmel, den ich gerade erlebe, ist nichts Absolutes. Dieses Gefühl hatte ich sehr stark, als ich in Chile zum Sternenhimmel hinaufgesehen habe. Es gab gar keine Sternbilder am Himmel, die ich schon aus meiner Kindheit als Astronomie-Begeisterter kannte. Die Sternbilder, die mir bekannt waren, waren alle vertikal umgekehrt und deswegen wurden sie komplett andere Sternbilder. Ich dachte, dass ich sie noch mal erneut lernen muss.

über das Wetter
Das Wetter, das ich erlebe, ist auch nichts Absolutes. Es gibt ein anderes Wetter an einem anderen Ort, anders als das Wetter hier. An einem anderen Ort ereignen sich Phänomene als Wetter dort. Es ist nichts anderes als eine Observation an dem Ort, wo ich mich befinde, wobei ich das Wetter nur von meinem Standpunkt als mein Wetter empfinde. Zum Beispiel kann ich weder Licht noch Geräusch um meine Eltern in Japan herum spüren. An jedem Ort vergeht die eigene Zeit zusammen mit dem Wetterwechsel. Meine Mutter sagt, “Heute war das Wetter den ganzen Tag heiter. Es ist Sonntag, deswegen waren viele Leute unterwegs und die Abenddämmerung war schön.” In der gleichen Zeit sage ich, “Heute gab es dichten Nebel. In der Innenstadt war es ruhig, da heute Sonntag ist. Nach dem plötzlichen Gewitter spannte sich ein Regenbogen über den Himmel.” Japan liegt von meiner Position aus auf der anderen (Rück-)Seite der Erde und Deutschland liegt von der Position meiner Eltern aus auch auf der anderen Seite der Erde. Die dortigen Lichter und Töne sind hier nicht wahrnehmbar und umgekehrt ebenso.

Über die Schwingung und die Resonanz
Das Licht ist Vibration, die man mit den Ohren nicht hört. Geräusch ist eine unsichtbare Vibration. Man lebt an einem jeweiligem Ort, umgeben von verschiedenen Vibrationen. Die Bestandteile, die die eigene Welt bestimmen, sind ausschließlich die Vibrationen, die man wahrnehmen kann. Meine Alltagswelt ist unendlich subjektiv. Durch die Übermittlung der Vibrationen aus der Umgebung zum Gehirn durch die Organe schafft der Kopf eine eigene Welt. Die Welt in der man lebt. Das ist die Welt,  in der nur ich lebe. Diese Welt ist unabhängig und isoliert. Alles Fremde befindet sich auf der Rückseite dieser eigenen Welt.

Übrigens denke ich, dass alle Organe durch “die Resonanz” mit den zahlreichen Vibrationen aus der Umgebung entstanden sind. D.h. die Stelle, die durch Licht angeregt wurde, wurde das Auge und die Stelle, die mit dem Geräusch Resonanz hatte, wurde zum Ohr. “Ich”, die Ansammlung von Sehsinn, Hörsinn, Geschmackssinn, Geruchssinn und Tastsinn als Ergebnis der Resonanz, gehe an der Donau spazieren. Von vielen Resonanzen umgeben, warte ich auf die Geburt eines neues Organs.

(Text: miu / Bild:Akiko)

Es war am Dienstag 1. Juni 2010. In der Zeitung Südwest Presse habe ich einen über einen Mann geschriebenen Artikel gelesen, der das erste Klavier für Linkshänder erfunden hat. Der Mann, Geza Loso, ist ein linkshändiger Pianist, 1951 in Budapest geboren und betreibt heute seinen “Ersten Musikverlag für Linkshänder” in Trier. Wir waren an dem letzten Sonntag in Trier, um ein Interview mit Herrn Loso zu führen und selbst sein Klavier kennen zu lernen. Vor seinem Verlagsgebäude haben Herr Loso und ich zuerst mit der rechten und danach mit der linken Hand geschüttelt. “Mit dieser Hand ist es emotioneller, nicht wahr?” sagte er. Ich bin selbst Linkshänder und während meiner Grundschulezeit habe ich für 6 Jahren Klavierunterricht gehabt. Die Musik mochte ich schon, aber die Beziehung  zwischen mir und dem Instrument war sehr schwach. Das Klavier war wie so ein Fremder für mich und ich hatte keine Lust mehr weiterzuspielen. In Trier nach der herzlichen Gastfreundlichkeit seiner Familie stand ich vor dem Linkshänder-Flügel, zum ersten Mal in meinem Leben. Einer Weile lang beobachtete ich den Flügel. Mein Kopf hat schon verstanden, was es ist, aber mein Bauch fühlte sich so durcheinander mit der optischen Gestaltung des Instrumentes von Herrn Loso. Dann fing ich mit der Noten an zu spielen, die für Linkshänder verspiegelt notatiert wurde. Herr Loso sagte “Als ich das Klavier für Rechtshänder gespielt habe, fühlte es sich wie ein Schauspiel an und ich war nie zufrieden. Heute fühle ich mich bei meinem Linkshänder-Klavier so, dass ICH spiele.”  Genau dieses Erlebnis hatte ich dort. Die Noten sind stark verbunden mit meinen Fingern und noch wichtiger, meinen Finger waren wirklich meine Finger. Vor 28 Jahren äußerte ich meinen Eltern, dass ich ein Instrument spielen möchte, aber ich nicht weiß, welches. “Wenn du Klavier spielen kannst, kannst alle Musikinstrumente spielen” so sagte mein Vater und brachte mich zum Klavierunterricht. Ich danke meinem Vater immer noch dafür, dass er mir eine Gelegenheit gegeben hat, mit der Musik zu kommunizieren auch als Spieler. Trotzdem an dem Tag bei Herrn Loso spürte ich starkes Verlangen in mir, das ich damals nie hatte. Ich dachte einfach so, “ICH möchte mein Klavier spielen!”  (Text: miu / Bild: Akiko)

Wenn Sie mehr Information über das Klavier für Linkshänder haben möchten, schauen Sie “Erster Musikverlag für Linkshänder” unter www.gezaloso.de.

Einem Artikel nach, den ich gelesen habe,  ist einer von 100 ein Beidhänder. Die Ursache wurde in dem Artikel als “Das Fehlen der Dominanz einer Gehirnhälfte” formuliert. Ich habe so verstanden, dass eine Parallelität als eine Krankheit beurteilt werden könnte, die die Sprachschwierigkeiten und Lernprobleme verursacht. Laut dem Artikel hat ein Beidhänder ein Risiko und daher sollten Eltern und Lehrer rechtzeitig therapeutische Schritte einleiten. Zur Zeit arbeite ich mit beiden Händen und zwei Pinzeln. Ich überlegte beim Lesen, welche therapeutische Schritte hätten bei mir eingeleitet werden sollen, wenn ich ein Kind gewesen wäre und wann dann rechzeitig gewesen wäre. Man sagt, dass die Lernstrukturen in der Schule auf Sequentialität optimiert sind. Die Sequentialität! Das ist genau meine Schwäche, immer noch. Aber gleichzeitig weiß ich irgendwie, dass meine nicht-sequentiellen Gedanken doch nicht sinnlos sind, sondern einfach nur anders. Trotzdem muss ich oft meine Parallelität unterdrücken, um die Sequentialität hinzukriegen, weil ich sonst immer Problem bekomme, besonders auf der Kommunikationsebene. Könnte nicht jemand ein Bewertungssystem erfinden, das die Parallelität schätzt, obwohl die Sequentialität angestrebt wird? Ich denke, dass Parallelität eine Stärke sein kann, doch ich bin noch nicht so weit, dass ich mir dessen sicher bin. Deswegen ist die spiegel-verkehrte Kalligrafie für mich eine Hoffnung, eine andere Art und Weise herauszufinden, mit der Welt VIELLEICHT besser umgehen zu können. Wer weiß, ob es gut funktioniert? Meine Parallelität sagt mir einfach, “Nicht aufhören, gehe weiter.” (Text: miu / Bild: Akiko)

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